DIE GESCHICHTE DES HAUSES - Seit 1916/1919

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Gebäudekomplex Herzbergstraße 82-84, 10365 Berlin (Lichtenberg)

Lichtenberg war Ende des 19. Jahrhunderts eine Gemeinde nahe Berlin. Zu dieser Zeit siedelten sich in der Herzbergstraße sehr viel Industrie an. 1920 wurde Lichtenberg ein Berliner Bezirk. Über 100 Jahre war die Herzbergstraße ein Industriegebiet mit einer sehr großen Bedeutung für Berlin.

1919

Automobilwerk AGA-Werke Berlin

1929

Möbelfabrik

1933

Munitionsfabrik

1945

Flüchtlingslager

1949

Waren täglicher Bedarf

1991

Drogen- und Suchtselbsthilfe

1992

Modernisierung

HEUTE

Soziales Haus

Der Altbau in der Herzbergstr. 82-84 (Bauteile 1, 2 und 3) wurde in den Jahren 1916/1919 nach einer Planung des Architekten Bruno Buch im Auftrag der Aktiengesellschaft für Automobilbau (kurz: AGA) errichtet. Richtig fertiggestellt wurde das Werk aber erst nach dem Ende des 1. Weltkrieges.

1919 präsentierte die AGA den ersten Pkw, den AGA Typ A 6/16 PS. Der erste Typ wurde weiter entwickelt und verbessert, die Aufbauten waren sehr variabel. So wurde er als Vier- und Zweisitzer, als offener Phaeton, als Limousine oder als Lieferwagen hergestellt.  AGA-Wagen wurden häufig in Großstädten wie Berlin, Hamburg und Breslau als Taxi eingesetzt. Auch im Rennsport fuhren AGA-Wagen, vor allem in der ersten Hälfte der 20er Jahre. Beim ersten Rennen auf der Avus 1921 starteten drei Wagen der AGA. 1929 musste Konkurs angemeldet werden. Insgesamt waren in zehn Jahren mehr als 10.000 Fahrzeuge mit dem Namen AGA entstanden. Auch Bertolt Brecht soll sich aus dem Erlös seiner Dreigroschenoper einen AGA-Wagen zugelegt haben.

Die weitere Geschichte des Hauses ist nicht mehr so genau dokumentiert. Bekannt ist, dass von 1929-33 in diesem Haus eine Möbelfabrik untergebracht war und ab 1933-45 eine Munitionsfabrik. 1945 diente es als Flüchtlingslager. Von 1949 bis ins Jahr 1989 war hier das Kombinat Großhandel „Waren täglicher Bedarf“ (WtB) untergebracht.

1991 erwarb die Drogen- und Suchtselbsthilfe Synanon von der Treuhand das Gebäude.

Mit Bescheid vom 26.02.1992 wurde der Altbau unter Denkmalschutz gestellt. Im Gebäude befindet sich noch das denkmalgeschützte Büro des letzten Direktors der AGA.

1992 gab Synanon an den Architekten Juschkus den Auftrag zur Modernisierung des Altbaus und zur Errichtung eines Neubaus. Juschkus griff den Gedanken der TET-Stadt wieder auf und verband nach dem Modell von Hoetger Wohnen, Arbeiten, Lernen und Kultur in dem neu geschaffenen Wohnheimkomplex.

Die TET-Stadt war ein nicht verwirklichtes städtebauliches Projekt des deutschen Keksfabrikanten Hermann Bahlsen. In den Jahren 1916 und 1917 ließ Bahlsen Pläne für eine Retortenstadt entwickeln, die er bei Hannover errichten wollte. Die Stadt sollte zugleich Wohn- und Arbeitsstätte für die Beschäftigten der Bahlsen-Werke werden; der vorgesehene Name TET-Stadt bezog sich auf das aus dem Altägyptischen abgeleitete Markenzeichen, mit dem die Bahlsen-Produkte bis heute versehen sind. Vorgesehen waren neben Fabrikgebäuden für die Gebäckproduktion und zahlreichen Wohnhäusern unter anderem auch kulturelle Einrichtungen wie etwa ein Theater. Die Pläne zur Errichtung der TET-Stadt wurden leider nie verwirklicht.

In der Herzbergstraße sollte diese Idee wieder zum Leben erweckt werden. Der 1995 fertig gestellte Neubau und der sanierte Altbau verbanden Wohnen, Arbeiten und Freizeitgestaltung der Bewohner an einem Standort.  Synanon nutzte das Gebäude bis 1998.